Politische und gesellschaftliche Strukturen zur Zeit der Wiener Klassik

Inhaltsübersicht:

Napoleonische Kriege... Revolution 1848... Formenwelt..
Deutscher Bund... Bauernbefreiung... Stil und Geist der musikalischen Klassik...
Metternich... Was ist die Wiener Klassik...? Künstler der Zeit...  
Vormärz... Eine Allgemeine Übersicht über die Klassik...   Politik und Einflüsse...
Märzrevolution... Stilwandel...   Quellen...

Napoleonische Kriege:

     Österreich war in alle Kriege verwickelt, die Frankreich zur Zeit der Revolution und insbes. unter Napoleon I. Bonaparte in Europa führte. Im 1. Koalitionskrieg (1792-97) waren Ö., Preußen (1795 ausgeschieden), England, Holland, Spanien und Sardinien beteiligt. Napoleon entschied 1797 den Krieg durch einen Vormarsch bis in die Stmk. (Frieden von Campoformido). Am 2. Koalitionskrieg (1799-1802) waren Ö., Rußland, England, Neapel, Portugal, der Kirchenstaat und das Osman. Reich beteiligt. Napoleons Truppen rückten bis NÖ. vor (Demarkationslinie war die Erlauf), bis der Friede von Lunéville den Krieg beendete. Im 3. Koalitionskrieg (1805) war Ö. mit Rußland, England und Schweden verbündet. Napoleon zwang Ö. bei Ulm zur Kapitulation, nahm Wien ein und siegte in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (Slavkov u Brna, CZ) am 2. 12. 1805. Der Friede von Preßburg beendete diesen Krieg. Nach umfangreichen Rüstungen, Aufstellung einer Landwehr und unter dem Eindruck des span. Widerstands begann Ö. am 9. 4. 1809 wieder einen Krieg gegen Frankreich, gleichzeitig brach ein Aufstand in Ti. los. Napoleon besetzte neuerlich Wien, wurde am 21./22. 5. 1809 in der Lobau bei Aspern und Eßling besiegt, bezwang die Österreicher aber am 5./6. 7. 1809 in der Schlacht bei Wagram. Der Friede von Schönbrunn vom 14. 10. 1809 trennte die Monarchie vom Meer ab und gab Ti. preis. Die Folge war eine Zerrüttung der Staatsfinanzen. Ö. mußte sich am Feldzug Napoleons gegen Rußland 1812 beteiligen, erlitt aber kaum Verluste. Am 11. 8. 1813 schloß sich Ö. den verbündeten Russen, Preußen und Schweden an. Unter dem Oberbefehl von Karl Fürst zu Schwarzenberg wurde Napoleon von 16.-18. 10. 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig entscheidend geschlagen. Die verbündeten Heere rückten in Frankreich ein, Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen und der Wr. Kongreß zur Neuordnung Europas einberufen. In Zusammenhang mit den N. K. standen die Bildung des Kaisertums Ö. und die Auflösung des Hl. Röm. Reichs.

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Deutscher Bund:

     Ein auf dem Wiener Kongreß 1815 durch die "Bundesakte" gegründeter Staatenbund der dt. souveränen Fürsten sowie freien Städte, der bis 1866 bestand. Er umfaßte zunächst 41, zum Schluß 33 Mitglieder, die nach innen zwar eigene Entscheidungsgewalt hatten, nach außen jedoch die Mehrheitsbeschlüsse des D. B. zu befolgen hatten. Vom ö. Gebiet waren die Länder der ungar. Krone sowie Galizien und Bukowina, Istrien, Dalmatien, Venetien und die Lombardei ausgeschlossen. Dem D. B. gehörten jedoch die Könige von Dänemark (für Holstein), England (für Hannover) und der Niederlande (für Luxemburg) an. Bundesorgan war die in Frankfurt unter ö. Vorsitz tagende Bundesversammlung aller Gesandten, deren Arbeitsfähigkeit in hohem Maß von der Beziehung zwischen Preußen und Ö. abhängig war. Insbes. unter dem Einfluß von Metternich wurde der D. B. v. a. seit den 30er Jahren ein Instrument zur Unterdrückung der dt. Einheits- und Verfassungsbewegung. Nach der Revolution von 1848 - an die Stelle des D. B. war zwischenzeitlich die Dt. Nationalversammlung getreten - wurde der D. B. durch Felix Fürst Schwarzenberg 1850 zunächst ohne die Beteiligung Preußens wiederhergestellt. Im sog. Olmützer Vertrag beschloß aber Preußen dennoch, dem Staatenbund wieder beizutreten. Der sich anläßlich der Frage nach einer groß- oder kleindeutschen Lösung verschärfende Gegensatz zwischen Ö. und Preußen führte nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866 zu einem Ende des D. B. Ö. mußte im Frieden von Prag die Auflösung des D. B. anerkennen.

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Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf


    Metternich, Clemens Wenzel Lothar Graf (ab 1813 Fürst, 1818 Hzg. von Portella), * 15. 5. 1773 Koblenz (D), † 11. 6. 1859 Wien, Staatsmann; Vater von Richard Klemens Fürst Metternich, Großvater von Pauline Fürstin Metternich. Verließ seine Heimat an Rhein und Mosel vor den franz. Revolutionstruppen, trat wie sein Vater Franz Georg Karl (1746-1818) in ö. diplomat. Dienst, heiratete 1795 Eleonore Gräfin Kaunitz (1775-1825), die Enkelin des Staatskanzlers W. A. Gf. Kaunitz, und fand dadurch Zugang zum Hochadel. 1801 Gesandter in Dresden, 1803 in Berlin, 1806 nach dem Frieden von Pressburg auf Wunsch Napoleons in Paris (mit geringem Erfolg), wo er als Lebemann bekannt war. Ab 8. 10. 1809 Außenminister, plante er die Verbindung von Erzherzogin Marie Louise mit Napoleon. Danach änderte M. seine Politik; Ö. vermied Annäherungen an Frankreich, musste aber 1812 ein eig. Korps gegen Russland stellen, blieb dann neutral und schloss sich am 13. 8. 1813 den Verbündeten an ( Napoleonische Kriege). M. sicherte den süd-dt. Rheinbundfürsten ihre Positionen und gewann sie als Bundesgenossen gegen Preußen. Er lehnte die Wiedererrichtung des Kaisertums in Deutschland ab und überzeugte England von der Gefährlichkeit Russlands. Höhepunkt seines Wirkens war der Wiener Kongress von September 1814 bis Juni 1815. Dort verband er gesellschaftl. Repräsentation mit diplomat. Geschick. M. brachte Frankreich als gleichberechtigte Großmacht an den Verhandlungstisch, erreichte die Gründung des Deutschen Bundes und die Sicherung des Einflusses Ö. in Italien. Durch Mäßigung und Ausgleich kam unter seiner Leitung eine dauerhafte Friedensordnung des Kontinents zustande. Als Anhänger des europ. Gleichgewichts unterstützte er die Heilige Allianz, wurde aber wie Ks. Franz I. ( Franz II. [I.]) immer mehr zum Gegner von Volksbewegungen.
     In den folgenden Jahren wurde die Aufrechterhaltung des Zustands von 1815 sein wichtigstes Anliegen (Kongresse von Aachen 1818, Karlsbad 1819, Troppau 1820, Laibach 1821, Verona 1822). Die nationalen Bewegungen und die liberalen Ideen schätzte M. falsch ein: Sie sollten durch Solidarität der Monarchen niedergehalten werden. Nach 1822 unterdrückte er sie in Neapel und Oberitalien, wodurch er an Sympathie verlor; auch die gute Verwaltung des lombardo-venezianischen Königreichs änderte daran nichts. 1821 wurde M. Staatskanzler, ein Titel, der seit Kaunitz nicht mehr verliehen worden war.
     Nach Distanzierung Englands und Frankreichs vereinigten sich 1833 Ö., Preußen und Russland zum "Bündnis der drei schwarzen Adler", das 1846 den Aufstand in Krakau niederschlug. Da durch M. Ö. in keinem Zollverein vertreten war, verlor es im Bereich der Wirtschaft seinen Führungsanspruch.
      M. büßte ab 1826 seinen starken Einfluss durch den Staats- und Konferenzminister F. A. Gf. Kolowrat-Liebsteinsky weitgehend ein. Auch die Idee einer Staatsführung mit Ministerien konnte er nicht durchsetzen und blieb in der Staatskonferenz ab 1836 auf die Außenpolitik beschränkt. Aufgrund seiner innenpolit. Strenge galt sein Gegner Kolowrat als liberal, während M. zum verhassten Sinnbild von Unterdrückung und Reaktion wurde ( Vormärz). Am 13. 3. 1848 wurde durch die Wr. Märzrevolution seine Entlassung erzwungen, er flüchtete nach England und ging 1849 nach Brüssel. 1851 kehrte er nach Ö. zurück und lebte als Privatmann in seinem Palais in Wien, nur gelegentlich um seinen Rat gefragt. M. war der bedeutendste Staatsmann Ö. im 19. Jh., sein vom Liberalismus verzerrtes Bild erfuhr seit H. v. Srbiks Werk eine neue Würdigung.
Neben seiner 1815 erbauten Villa (1873 abgetragen) ließ M. am Rennweg in Wien 1846/47 ein Palais erbauen (J. J. Romano und A. Schwendenwein), das seit 1908 die ital. Botschaft beherbergt.

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Vormärz

     Biedermeierzeit: Als sich Napoleon 1804 zum Ks. der Franzosen ernannte, gründete Ks. Franz II. am 8. 8. 1804 das Kaisertum Ö. und legte 1806 die Krone des Hl. Röm. Reichs nieder. Die habsburg. Länder litten unter den Napoleonischen Kriegen, die enorme Kosten verursachten, 1811 zum Staatsbankrott führten und die sich langsam entfaltende Ind. zurückwarfen. Die Wirt. brauchte 10 Jahre, um das Tief zu überwinden. Die von Napoleon erzwungene Kontinentalsperre führte aber auch zur Entwicklung neuer Produkte (z. B. Rübenzucker).
Außenpolitisch stand Ö. 1815 dank seiner Position als kriegsentscheidende Macht und der Person Metternichs auf einem Höhepunkt: Wien wurde als Kongreßort ausgewählt, wo die Neuordnung Europas festgelegt wurde. Das Kaisertum Ö. erhielt einen Teil seiner früheren Provinzen zurück, verzichtete aber auf Belgien und die Vorlande in SW-Deutschland zugunsten einer Vorherrschaft im neu geschaffenen Dt. Bund und in Italien durch Zuteilung der Lombardei und Venetiens. Die "Heilige Allianz" der Herrscher Rußlands, Ö. und Preußens sollte die Stabilität garantieren, wandte sich künftig gegen alle liberalen Strömungen in Europa, konnte ihre Haltung bei den Kongressen von Aachen 1818, Karlsbad 1819, Troppau 1820 sowie Laibach und Venedig 1822 bekräftigen, bis gegen Ende des Jahrzehnts v. a. Großbritannien und Frankreich diese Linie verließen.
Innenpolit. war die Ära nach den Napoleon. Kriegen durch ein hartes Polizeiregime geprägt, das liberale Regungen unterdrückte, ausländ. Literatur von der Monarchie fernhielt und dadurch u. a. den Rückzug des immer stärker werdenden Bürgertums in private Interessensphären begünstigte. Diese Kultur des Biedermeier erreichte im städt. Bereich v. a. im Rahmen der Musik einen Höhepunkt: ihr Ruhm, der bereits im 18. Jh. durch W. A. Mozart und J. Haydn begründet worden war, wurde durch die in Wien wirkenden Komponisten L. v. Beethoven, F. Schubert und die Walzerkomponisten J. Strauß Vater und J. Lanner gekräftigt. F. Grillparzer stärkte mit seinen Stücken das Staatsbewußtsein, J. Nestroy und F. Raimund führten das Altwiener Volkstheater zu einem Höhepunkt. Die bedeutendsten Maler der Zeit waren L. Kupelwieser und der auch sozialkritische F. G. Waldmüller. Obwohl ab den 20er Jahren ein beträchtl. Wirt.-Wachstum, z. T. durch die Privilegiengesetze begünstigt, erzielt wurde, waren breite Volksschichten von Armut betroffen, v. a. Ind.-Arbeiter, die sich in den Vorstädten Wiens angesiedelt hatten, aber auch die aus den übervölkerten Gegenden Böhmens und den Gebirgsregionen der Alpenländer abwandernden Menschen. Erfinder und Jungunternehmer aus kleineren dt. Staaten ließen sich wegen der größeren Absatzchancen in Ö. nieder und entwickelten neue Produkte. Viele Ideen brachten sie als wandernde Handwerker aus England mit, wie auch die Technologie des Eisenbahnbaus, die in den 30er Jahren einsetzte. Die Pferdeeisenbahn Linz- Budweis war zwar schon bei ihrer Fertigstellung 1832 überholt, aber die mit Dampflokomotiven befahrene Bahnlinie Wien- Mähren (1837 bis Deutsch-Wagram eröffnet und rasch fortgesetzt) leitete ein neues Kapitel der Verkehrspolitik ein. Gleichzeitig wurde auch der Donauverkehr durch die Gründung einer Dampfschiffahrtsgesellschaft erschlossen, 1831 fuhr das erste Schiff von Wien nach Budapest, 1932 von Wien nach Linz.
1831/32 legte eine Choleraepidemie das Wirt.-Leben im Wr. Raum für Monate lahm, rasch aufeinanderfolgende Mißernten beeinträchtigten zusätzl. die wirt. Entwicklung. Grundherrschaften und feudale Einrichtungen galten als überholt, die Unzufriedenheit wuchs. Ks. Franz I. stand als Herrscher stets allen Veränderungen skeptisch gegenüber, für seinen geistig behinderten Sohn Ferdinand (1835-48) mußte eine Staatskonferenz die Regierung übernehmen. Eine junge Generation Intellektueller verlangte von dem schwerfälligen Verwaltungsapparat immer dringender eine Verfassung und eine Liberalisierung des Staats. Am 13. 3. 1848 kam es schließl. zum Ausbruch der Revolution 1848 in Wien, die den Sturz Metternichs, der bestimmenden polit. Gestalt des V., Pressefreiheit, eine Verfassung und im Sommer eine Reichstagswahl nach sich zog. Als einziges großes Gesetz wurde am 7. 9. 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit der Bauern beschlossen und damit der durch ein Jahrtausend bestehende, zuletzt überholte Feudalstaat beendet.

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Märzrevolution

Märzrevolution, die erste Erhebung in der ö. Revolution 1848. Spontane Auflehnung gegen das drückende Metternichsche System des Vormärz in Wien. In den ersten Märztagen reichte der Nö. Gewerbeverein eine Bittschrift an die ksl. Regierung mit demokrat. Tendenz ein. Petitionen der Wr. Buchdrucker, des Jurid.-polit. Lesevereins, der Bürgerschaft und am 12. 3. 1848 der Studenten folgten. Sie forderten Teilnahme des Volks an der Regierung, Öffentlichkeit der Gerichtsverfahren, Geschwornengerichte, Selbstverwaltung der Gemeinden, Aufhebung des Untertanenverhältnisses der Bauern, Festlegung der bürgerl. Grundrechte, Beseitigung der Zensur, Presse-, Lehr- und Lernfreiheit, Ausweisung der Jesuiten und Gleichstellung der Konfessionen. Da die Bittschriften nicht beantwortet wurden, beschlossen die Univ.-Professoren und Studenten für den 13. März, anläßlich einer Sitzung der Ständevertretung, eine Demonstration. Die Studenten drangen in das Nö. Landhaus ein, der Arzt A. Fischhof hielt eine Ansprache und verhandelte mit den ständischen Vertretern. Zu den Studenten gesellten sich Arbeiter aus den Vorstädten. Am Nachmittag setzte der Kommandierende General von Wien, Erzhzg. Albrecht, Militär gegen die Volksmenge ein, und es gab Todesopfer ("Märzgefallene"). Die Bürger bewaffneten sich und errichteten Barrikaden, in den Vorstädten wurden Fabriken angezündet und Maschinen zerstört. Der Kaiserhof brachte der Volksstimmung ein Opfer: Metternich mußte zurücktreten und floh verkleidet ins Ausland. Am nächsten Tag stellte die Wr. Bürgerschaft eine Nationalgarde auf, die Studenten gründeten die Akademische Legion; Vertreter von beiden stellten ein "Zentralkomitee", das in der Folgezeit die revolutionäre demokrat. Gewalt repräsentierte. Der Kaiser hob die Zensur auf, erließ ein freiheitl. Pressegesetz und versprach eine freiheitl. Verfassung; Polizeiminister J. Sedlnitzky und der Wr. Bürgermeister I. Czapka wurden entlassen, die Gefallenen des 13. März in allen Ehren bestattet (Trauerrede von Feldkaplan A. Füster; Denkmal auf dem Wr. Zentralfriedhof). Der Wr. M. folgten Aufstände in Venedig (17. 3.) und Mailand (18. 3.) und der Sardinische Krieg, während die M. im eigentl. Ö. bis auf kleinere Aktionen in Graz isoliert blieb.

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Revolution 1848

     Revolution 1848: Österreichs innenpolit. Verhältnisse litten ab 1815 unter dem starren Konservativismus Metternichs ("System Metternich"), der den monarchischen Absolutismus verteidigte und liberale und nationale Bestrebungen mit hartem Polizeiregiment und strenger Zensur bekämpfte. Die Staatsfinanzen waren durch die Napoleonischen Kriege erschüttert, die Regierung befand sich, bes. unter Ferdinand I., für den eine meist uneinige "Geheime Staatskonferenz" die Entscheidungen traf, in ständiger Krise. Das weitgehend entpolitisierte Bürgertum des Biedermeier fügte sich in die Situation; in der kritischen Literatur des Vormärz überwog die Resignation (F. Grillparzer, A. Grün, E. Bauernfeld, J. Nestroy, M. Hartmann, S. Brunner, S. Frankl). Die Auswirkungen der franz. Julirevolution 1830 berührten Ö. kaum. Erst nach 1840 begann Metternichs Einfluß zu schwinden.
Die soziale Lage der Bauern, kleinen Handwerker und der entstehenden Ind.-Arbeiterschaft war sehr schwierig. Der Arbeitslohn (bei durchschnittl. 14stündigem Arbeitstag) war gering, Kinderarbeit weit verbreitet. Die rasch, aber unorganisch durchgeführte Mechanisierung verursachte Massenarbeitslosigkeit und Hungerdemonstrationen. Der Bauernstand war trotz des Untertanenpatents von Joseph II. (1781) durch Zehent und Robot schwer belastet; in Galizien kam es bereits 1846 zu einem blutigen Bauernaufstand.
     Unzufrieden waren auch das liberale Bürgertum und die Intelligenz, v. a. die Studenten, die gem. mit Buchhändlern, Druckern und Schriftsetzern die eigentl. Vorkämpfer der bürgerl. Revolution wurden. Ihre Hauptforderungen waren mehr polit. als soz. Natur: Sie forderten nie den Sturz der Monarchie, sondern nur die Beseitigung des Absolutismus.
     Dazu kam der zunehmende Nationalismus. In den Aufständen von 1848 gingen die Forderungen der Italiener und der Ungarn bis zum Sturz des Hauses Habsburg und zur Errichtung selbständiger Nationalstaaten; die Polen dachten ähnlich.
Angesichts der Forderung nach einer demokrat. Verfassung war die Erschütterung durch die franz. Februarrevolution 1848 in Ö. bes. stark. Schon am 1. und 2. Jänner war es in den ital. Provinzen zu blutigen Ausschreitungen gekommen ("Zigarrenrummel"), und Ö. verhängte in der Lombardei den Kriegszustand. Am 3. 3. hielt L. Kossuth, Führer der ungar. Opposition, im ungar. Reichstag in Preßburg die "Taufrede der ö. Revolution", in der er für Ungarn eine moderne Verfassung forderte. Am 13. 3. brach in Wien die Märzrevolution aus, die den Sturz Metternichs erzwang. In OÖ., Stmk., Ti. und Mähren entwickelten die Landtage eine lebhafte Tätigkeit; neue Gem.-Ordnungen und die Ablösung der Grundlasten waren die wichtigsten Punkte; darüber hinaus blieb die R. im dt.-sprach. Ö. v. a. auf Wien beschränkt. Einzig in der Stmk. meldeten sich radikale Elemente zu Wort, und im Oktober erhielt Wien aus diesen Kreisen etwas Verstärkung.
     Am 17. und 18. 3. begannen, unterstützt von Sardinien, Aufstände in Venedig und Mailand, das von J. W. Radetzky geräumt wurde. In Wien traten an die Stelle der Staatskonferenz ein Provisorisches Staatsministerium unter Vorsitz von F. A. Kolowrat-Liebsteinsky und an die Stelle der Hofämter Ministerien. Am 25. 4. wurde die Pillersdorfsche Verfassung erlassen, die aber auf heftige Kritik stieß. Am 23. 3. hatte Ungarn ein liberales Ministerium, am 11. 4. eine eig. Verfassung erhalten. Die auf einem bes. "Böhmischen Staatsrecht" beruhenden Forderungen tschech. und adeliger Kreise wurden jedoch nur teilw. bewilligt. Am 26. 4. wurde in Krakau ein poln. Aufstand unterdrückt. Nach dem Sieg Radetzkys bei Santa Lucia (6. 5.) im Sardinischen Krieg wurde auch in Italien die ö. Hoheit wiederhergestellt. In diesen Tagen erhoben sich Slowaken, Rumänen und Banater Serben gegen die zentralist. Tendenzen der ungar. Regierung.
Das dt.-sprach. Bürgertum sah seine Stellung durch die Freiheitsbestrebungen der anderen Nationen gefährdet, begrüßte daher die Siege der ksl. Armee und suchte Rückhalt in Deutschland, das ebenfalls eine bürgerl. Revolution erlebte ( Frankfurter Nationalversammlung). So kämpften die dt.-sprach. Österreicher in der R. unter großdt. Losungen und schwarzrotgoldenen Fahnen, dem Symbol sowohl der dt. Einheit als auch von Freiheit und Fortschritt.
     Das nächste Stadium der R. begann mit neuerl. Unruhen am 15. 5. in Wien. In der "Sturmpetition" von Nationalgarden, Studenten und Arbeitern in der Wr. Hofburg wurden die Zurücknahme der "oktroyierten Verfassung" vom 25. 4. und die Einberufung eines konstituierenden Reichstags mit allg., direkt und frei gewählten Abgeordneten gefordert. Nach Straßenkämpfen wurden in der Nacht vom 15. auf den 16. 5. diese Forderungen bewilligt. Ks. Ferdinand I. und die ksl. Familie flohen am 17. 5. nach Innsbruck. Tumulte der Studenten führten am 24. 5. zur Schließung der Univ. und am 26. 5. wieder zu Barrikadenkämpfen in Wien, ausgelöst durch den Plan einer Auflösung der Akademischen Legion. Die Regierung mußte neben der Legion auch die Bildung eines Sicherheitsausschusses, bestehend aus Bürgern, Nationalgardisten und Studenten, gestatten, der nach Abzug des Militärs für einige Zeit eines der Machtzentren in Wien wurde. Den unter dem Studenten A. Willner gebildeten "Arbeiterkomitees" gelang es, soz. Forderungen durchzusetzen (10-Stunden-Arbeitstag, Lohnerhöhungen, Gründung des "Ersten ö. Arbeitervereins" usw.).
Auch in Prag spitzte sich die Lage zu: Einerseits versuchten konservative Bürokraten, die Wirren in Wien zur Stärkung der Position Böhmens innerhalb der Monarchie zu nutzen, andererseits griffen im Prager "Pfingstaufstand" tschech. und dt.-sprach. Revolutionäre zu den Waffen; ihr Aufstand wurde von der Armee unter A. Windisch-Graetz blutig unterdrückt. In der Rückschau stellt sich diese Aktion des Fürsten als Beginn des Wiedererstarkens der restaurativen Kräfte in Ö. dar.
     Am 26. 6. kam Erzhzg. Johann als Vertreter des Kaisers nach Wien, konnte diese Position wegen seiner Berufung als "Reichsverweser" nach Frankfurt aber nicht in der gewünschten Weise ausfüllen. Er betraute A. Doblhoff-Dier am 8. 7. mit der Bildung eines vorwiegend demokratisch gesinnten Ministeriums und eröffnete am 23. 7. den konstituierenden Reichstag. Dort beantragte H. Kudlich am 26. 7. die schon vorher im Prinzip zugestandene Aufhebung der bäuerl. Untertanenlasten, die am 7. 9. beschlossen und vom Kaiser sanktioniert wurde. Durch diesen großen soz. Erfolg wurde die Bauernschaft, die an der R. fast gar nicht beteiligt war, für die Krone gewonnen. Auch in Italien bekam nach dem Sieg Radetzkys über die sardinischen Truppen bei Custozza (25. 7.) die ö. Staatsmacht die Oberhand und gewann die Lombardei zurück. Am 12. 8. kehrte der Hof nach Wien zurück.
     Vom 21. bis 24. 8. stand Wien erneut im Zeichen eines Aufstands, weil die Löhne für weibl. und jugendl. Erdarbeiter herabgesetzt worden waren. Die Stadtgarde konnte die Ruhe ohne militär. Hilfe wiederherstellen, doch gab es 22 Tote und mehr als 300 Verwundete. Der Sicherheitsausschuß löste sich nach der "Praterschlacht" selbst auf. Arbeiterunruhen ereigneten sich auch in anderen industriellen Zentren; selbst in Ungarn begehrten die Landarbeiter auf. Mittlerweile führte der Reichstag seine Beratungen zur Ausarbeitung einer Verfassung fort, entfernte sich jedoch dabei immer mehr von den Grundlagen des langsam wieder aufstrebenden monarchischen Prinzips. Die sich krisenhaft zuspitzende Lage in Ungarn wirkte auf Ö. zurück, am 6. 10. kam es in Wien wieder zu Kämpfen, und mit der Oktoberrevolution in Wien fand die R. in Ö. ihren Höhepunkt. Deren Niederschlagung brach jedoch den revolutionären Impetus, auch wenn sich das aus der R. entstandene konstitutionelle Element noch einige Zeit hielt. Der Reichstag versammelte sich in Kremsier, wo er im Winter 1848/49 die Verfassungsberatungen weiterführte und nahezu abschloß ( Kremsierer Reichstag). Am 7. 3. 1849 wurde der Reichstag aufgelöst und von Ks. Franz Joseph I., der nach dem Rücktritt seines Onkels Ferdinand I. am 2. 12. den Thron bestiegen hatte, eine neue, zentralistische, auf dem Boden des monarchischen Prinzips stehende Verfassung oktroyiert. Der Auflösung des Reichstags folgten keinerlei revolutionäre Aktionen. Zu einer solchen kam es lediglich im Mai 1849 in Prag, sie blieb jedoch isoliert und wurde rasch niedergeschlagen. Mit der Kapitulation in Ungarn und Venedig im August und September 1849 endete die R. in Ö. endgültig.
     Ihre bes. Kennzeichen und zugleich die Gründe ihres Scheiterns waren das Fehlen einer programmatischen Konzeption, einer zielbewußten Führung sowie von Persönlichkeiten, die die gewonnenen Rechte und Freiheiten zu verteidigen imstande waren. Dazu kam, daß sich die bürgerlich-liberalen Kreise und die Bauern bald von der revolutionären Masse in Wien distanzierten. Dennoch machte die R. den Weg zu einer Verfassungsänderung frei, und nach einer Periode des Neoabsolutismus erhielt in den 60er Jahren die Habsburgermonarchie eine konstitutionelle Verfassung. Das wichtigste unmittelbare Ergebnis der R. war die Bauernbefreiung und damit die Schaffung einer einheitl., die gesamte Bevölkerung umfassende Staatsbürgergesellschaft, weiters die Auflösung der feudalen Struktur, die mit einer Modernisierung des Verwaltungswesens mit Gemeinden, Bezirksverwaltungen und einem staatl. Gerichtswesen verbunden war.

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Bauernbefreiung

Die Lockerung der persönl. und wirt. Abhängigkeit der Bauern von einer Grundherrschaft erfolgte seit der Mitte des 18. Jh., die Beseitigung 1848. Obwohl es in den ö. Ländern große Unterschiede (in N-Ti. und in den gebirgigen Gegenden Vbg. hatten die Bauern viele Freiheiten) und fast keine Leibeigenschaft gab, milderte Maria Theresia 1778 generell die Robotleistungen. Joseph II. führte 1781 durch das Untertansstrafpatent, die Festlegung des Beschwerderechts und die Robotablöse wesentl. Erleichterungen ein. Er ordnete 1789 eine Steuerreform zugunsten der Bauern an, die aber nach seinem Tod nicht durchgeführt wurde. Das Feudalsystem wurde erst abgeschafft, als im Reichstag von 1848 der aus Schlesien stammende Abgeordnete H. Kudlich den Antrag auf Aufhebung der "Untertänigkeit mit allen daraus entsprungenen Rechten und Pflichten" stellte. Mit einem am 7. 9. 1848 von Ks. Ferdinand unterzeichneten Patent wurden die Untertänigkeit und das "schutzobrigkeitliche Verhältnis" aufgehoben und die Entlastung von Grund und Boden durch eine Entschädigung der Vorbesitzer angeordnet. In den Folgejahren stellten Kommissionen diese Entschädigung für die bisherigen Grundherren (2 Drittel des Schätzwerts) und die im Lauf von 40 Jahren abzugeltenden Verpflichtungen der nun Eigentümer gewordenen Bauern fest. Anstelle der Herrschaften mußte der Staat Gem., Bezirksverwaltungen und Gerichte gründen.
Die Folgen der Befreiung waren für die Bauern nicht nur positiv, denn an die Stelle der grundherrl. Abgaben traten Steuern des Staates, der Länder und Gem. Die 1. Generation kannte auch die marktwirt. Bedingungen nicht, nach 1868 entstanden durch Teilungen viele kleine, kaum lebensfähige Betriebe, so daß die Verschuldung wuchs. Erst die darauffolgenden Generationen konnten den Niedergang des Bauernstands abwenden und durch Genossenschaften neue Marktorganisationen schaffen.

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Was ist die Wiener Klassik?

Eine kurze Definition:
Bezeichnung für die Musik-Epoche von ca. 1750-1820, insbesondere die Musik der "Wiener Klassiker" J. Haydn, W.A. Mozart und L. van Beethoven, Blütezeit von Sonate und Sinfonie.

       Wiener Klassik, Musikstil mit Zentrum in Wien zw. ca. 1770 und 1830. Erste Anzeichen für einen spezifischen musikal. Geschmacks- und Stilwandel in Wien begannen sich bereits ab ca. 1720 abzuzeichnen; diese Epoche der Vor- oder Frühklassik umfasst verschiedene Entwicklungen zw. Spätbarock, galantem Stil, Rokoko und empfindsamem Stil. Komponisten der Übergangszeit waren G. C. Wagenseil J. Starzer und J. Bonno aber teilw. auch noch J. Haydn W. A. Mozart und A. Salieri Ebenso kann die 2. Abgrenzung um 1830 nur als fließender Übergang angesehen werden, L. v. Beethoven gilt als Klassiker und Romantiker zugleich.
Die W. K. mit ihren Hauptvertretern J. Haydn, W. A. Mozart und L. v. Beethoven ("klassische Trias") basiert sozialgeschichtl. auf einer Feudalgesellschaft mit aufkläririschem Anspruch. Brennpunkt dieser Adelsges. war die Haupt- und Residenzstadt Wien. Alle Hauptkomponisten der W. K. wurden außerhalb Wiens geboren und von diesem Zentrum und seinen kulturellen und gesellschaftl. Möglichkeiten angezogen. Die Rolle des Hofs als Kunstförderer hatte sich ab ca. 1740 auf eine breitere Adelsschicht ausgeweitet, wodurch eine Ausdehnung und Öffnung des Musiklebens möglich wurde. Das öffentl. Musikleben wurde von dieser Adelsschicht mitgetragen (Liebhaberkonzerte), mehrere, oft auch sehr kurzlebige Adelskapellen wurden gegründet.
     Die Musik der W. K., die sich seit dem Hochbarock mit regionalen ital., franz. und dt. Stilrichtungen vermischte und internat. Allgemeingut wurde, ist durch die Entwicklung neuer und durch die Umdeutung bestehender Gattungen sowie durch formale bzw. harmon. Erweiterung gekennzeichnet; der Schwerpunkt liegt dabei auf der Instrumentalmusik. Formale Grundlage für Sonate, Symphonie, Streichquartett und Konzert ist die Sonatenhauptsatzform (Exposition - Durchführung - Reprise - Coda). Dabei liegt in der Durchführung des themat. Materials, die kontinuierlich ausgebaut und erweitert wurde, eine wesentl. Neuerung. Das Menuett, letzter Rest der barocken Suite, wurde immer stärker abstrahiert und ging am Ende der W. K. in das "Scherzo" über. Erfuhren die alten Gattungen Sonate, Symphonie (Sinfonia) und Konzert (Concerto) eine Umdeutung, so ist das Streichquartett mit seiner Gleichberechtigung aller 4 Instrumente eine eig. Entwicklung der W. K. und eng mit J. Haydn verbunden. Die in der W. K. entwickelten Richtlinien wurden von den nachfolgenden Komponistengenerationen (F. Schubert A. Bruckner J. Brahms G. Mahler ) bis heute als nur schwer erreichbare Ideale und Standards gesehen; Brahms meinte, die Schritte des "Riesen" (Beethoven) bedrohlich hinter sich zu fühlen.

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Eine Übersicht über die Klassik im Allgemeinen:  

Vorklassik (1720-1760) :
· Das musikalische Rokoko (Neubeginn, galant- und empfindsame Musik)
· Sturm und Drang ("Die Mannheimer Schule")
· J. Stamitz
· G. Ph. Telemann
Frühklassik (1760-1780) :
· Höfische und bürgerliche Gesellschaftsmusik
· Divertimento, Serenade, Kassation
· Mozart, Haydn
· populäre, aber doch kunstvolle Musik
Hochklassik (1780-1810) :
- "thematische Arbeit"
- Fortspinnung (Entfaltung verschiedener Motive)
- Entwicklung (Veränderung der Motive)
- Kombination (Verwicklung der Motive) 
"Wiener Klassik" :
· Josef Haydn
· W. A. Mozart
· L. van Beethoven
"Italienische Klassik":
· L. Boccherini
· M. Clementi
· Cherubini  

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Der Stilwandel um 1750:

a) Polyphones Geflecht der Stimmen (typisch für die Barockmusik) à Homophonie der Stimmen, die oben aufliegende Melodiestimme wir zu alleinigen Trägerin des Ausdrucks;

b) Lineare Satztechnik (Kontrapunkt) wird abgelöst durch eine vertikale Satztechnik (Harmoniebildung)

c) Lineare Melodik à akkordgebundene Dreiklangsmelodik

d) Kontrastierende Gedanken innerhalb des Themas und des Satzes

e) Biegsame, nuancierte Dynamik , mit allen Zwischenwerten (crescendo, decrescendo, sforzato, piano, etc.)

f) Periodischer und symmetrischer Aufbau des Liedes, dadurch Gewinn an Einfachheit, Verständlichkeit und Volkstümlichkeit.

g) Formwerte (standen bei alter Musik im Vordergrund) à Ausdrucksgehalt bei klass. Musik wichtiger Instrumentation der Klassik strebt einen "Mischklang" (im Gegensatz zum "Spaltklang" der Barockmusik) an, wobei die Instrument zu einem einheitlichen Gesamtklang miteinander verschmelzen. Das klass. Orchester wir zudem mit Holz- und Blechblasinstrumenten angereichert.

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Formenwelt

Dreiteilige Liedform:
· mehrere symmetrisch gebaute aber gegensätzliche Melodien verwachsen durch die periodische Wiederkehr eines gleichen Teiles zu einer höheren Einheit
· tritt auf in Menuetten, Scherzos, langsamen Sätzen einer Sonate
· aba
Rondo:
· mehrmaliges Auftreten eines Themas
· Unterbrechung durch gegensätzliche Zwischenteile
· liedmäßig
· "Rundgesang"
· setzt sich aus Lied- und Tanzelementen zusammen
· heiterer und lebhafter Charakter
· bunter Wechsel und Überraschungen
· als selbstständiger Satz in Sonaten, Sinfonien und zyklischen Formen
· Bogenrondo: abacaba (Zwischenteile werden wiederholt)
· Kettenrondo: abacada....a (Zwischenteile verändern sich immer)
Variationenform:
· zyklische Variationsreihe, entwickelt aus einem vorangestelltem Thema (meist aus einfacher Liedform bestehend)
· Veränderungen in Melodie, Rhythmus, Harmonie
· Variationen entfernen sich in der Regel immer weiter vom Thema, um sich gegen Ende wieder an das Originalthema anzunähern
· in Sonaten und Sinfonien
· Tonartwechsel: minore à nach moll maggiore à nach Dur
Sonatenform:
· Exposition: Themenaufstellung, Eröffnung des Hauptthemas , im Ausdruck ausgreifend, kraftvoll und von rhythmischer Prägnanz, gelegentlich aus zwei gegensätzlichen Teilen bestehend (Kontrastthema), aus dem Hauptthema wird Gruppe gedrängter Satzketten einwickelt ( "Hauptsatz").
· Überleitung
· Seitensatz: Dominanttonart, Tonika-Paralle in Mollsätzen
· Schlußsatz Markiert das Ende der Exposition
· Durchführung: Verarbeitung des Themenmaterials, Kern der Sonatenform, Aufgreifung von Wendungen, lebhafte Sequenzierung, kontrapunktische Verarbeitung durch Imitationen, Fugatos, Engführungen, Einführung von Gesangsstimmen
· Reprise: Wiederaufnahme des Themas in der Haupttonart
Divertimento, Kassation ( Instrumentalständchen) , Serenade ( Abendmusik) :
· Gebrauchs- und Unterhaltungsmusik
· leichtgewichtig, auf Bestellung geschrieben
· fünf oder mehr Sätze verschiedener Art, nach Art der Suite
· tänzerischer Grundton
· populäre Musik
· Vorliebe für den Bläserklang
Sonate und Sinfonie:
Name, Inhalt, Ausdruck Form Tempo Tonart I. Satz, Kopfsatz Dramatischer Konflikt der beiden Themen Sonatenform Allegro Grundtonart II. Satz, Langsamer Satz Innere Ruhe, Besinnung, Lyrik Sonatenform, Liedform, Variation Adagio, Andante Dominant- oder Paralleltonart III. Satz, Tanzsatz Menuett: heiterer, gemessener Tanz Scherzo: Humor, Dämonie ABA-Form Allegretto, Allegro, Presto, oft ¾ Takt Grundtonart IV. Satz, Finale Festlicher Abschluß oder Schlußsteigerung durch Konzentration der Mittel Rondo, Variation, Sonatenform Presto Grundtonart

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Stil und Geist der musikalischen Klassik

Kontrastil:
· zeigt sich in der Gegensätzlichkeit der beiden Themen des Sonatensatzes, bestimmt die Folge der vier Sätze des Sonatenzyklus
· hebt die klassische Musik von der Einthematigkeit und Einaffektigkeit der alten Musik ab
· lebendige Dynamik  
Gemischter Stil:
· Individualisierung und Mitspracherecht der Stimmen
· die Musik wird humanisiert, menschähnlicher gemacht
· Vereinigung von homophonem und polyphonem Stil
Idee des musikalischen Zusammenhangs:
· Thematisch-motivische Arbeit
· Vereinheitlichung des Zyklus
· Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gesetz 
Das sinfonische Prinzip:
· Höchstentwicklung der Instrumentalmusik
Einfachheit des klassischen Stils:
· Klarheit und Ebenmaß der Form, wie im symmetrischen Periodenbau des Volksliedes
· Einfachheit der Musiksprache
· schlichte Homophonie
· leichtförmiger Pendelschlag der Hauptdreiklänge  
Stil und Weltbild der Klassik:
· idealistische Beschwingtheit, natürliche Erhabenheit, Würde
· Optimismus
· "die göttliche Heiterkeit"  

Die Musik der Klassik spiegelt die in steter Wandlung begriffene Menschenseele (Erschütterung, Leidenschaft, Verträumtheit, Verspieltheit, etc.)
Der Künstler schafft sich in der Musik einen Ausdruck seines persönlichen Welterlebnis

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Künstler der Zeit:  

Josef Haydn
· Sinfonien ("Mit dem Paukenschlag", "Abschiedssynphonie")
· Streichquartette ("Kaiserquartett")
· Klaviersonaten
· Messen
· Weltliche Oratorien ("Die Jahreszeiten")
W. A. Mozart:
· musikalischen Wunderkind
· Meister gegensätzlicher Themen und deren Dialog
· Auszeichnung der Musik durch Einfachheit trotz künstlerischer Vollendung
· großer Meister der deutschen Oper ("Zauberflöte", "Entführung aus dem Serail")
· Sinfonien ("Jupitersinfonie")
· Klaviersonaten, Klavierkonzerte
· Kirchenmusik, Requiem  

L. van Beethoven:
· studierte Bach
· komponierte taub
· Klaviersonaten ("Appassionata")
· Streichquartette
· Sinfonien ("Eroica", "Schicksalssynphonie")
· Ouvertüren
· Oper ("Fidelio")

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Politik in der Wiener Klassik

Wiener Kongreß, 18. 9. 1814-9. 6. 1815, im Pariser Frieden vom 30. 5. 1814 vereinbarte Zusammenkunft der Monarchen und Vertreter der wichtigsten Staaten zur polit. Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen. Die Vertreter der 4 Hauptverbündeten waren: für Rußland Zar Alexander I. und K. W. Gf. Nesselrode, für Preußen Kg. Friedrich Wilhelm III. und Kanzler K. A. Fürst von Hardenberg, für England R. St. Viscount Castlereagh und A. W. Duke of Wellington, für Ö. Ks. Franz I. und C. W. Fürst Metternich (Vorsitzender); Frankreichs Vertreter C. M. de Talleyrand hatte erreicht, daß sein Land als 5. entscheidende Macht auftreten konnte.
Kleinstaaten versuchten zu intervenieren, und die Verhandlungen waren durch Spannungen gekennzeichnet (3. 1. 1815 Geheimbündnis: Ö., England und Frankreich gegen Preußen und Rußland), wurden aber durch Napoleons Rückkehr aus Elba (1. 3. 1815) beschleunigt. Ein Ergebnis war, daß Ö. einen Teil seines früheren Besitzes zurückerhielt: W-Kä., Krain, Istrien, Dalmatien (Vbg., Ti., Sbg., Inn- und Hausruckviertel wurden erst 1816 durch einen Tauschvertrag mit Bayern restituiert), in Galizien den Kreis Tarnopol (nicht Neugalizien), in Oberitalien das lombardo-venezianische Königreich, das Ö. die Vormachtstellung in Italien sicherte. Die habsburg. Sekundogenituren Toskana (Ferdinand III., Bruder von Ks. Franz I.) und Modena (Franz IV. von Ö.-Este) wurden wiederhergestellt. Marie Louise behielt Parma und Piacenza, aber Ö. verzichtete auf die Vorlande mit dem Breisgau und auf die Ö. Niederlande. Anstelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reichs trat der Deutsche Bund unter ö. Vorsitz, die Bundesakte wurde Bestandteil der Kongreßakte. Weitere Ergebnisse waren: Die vergrößerte Schweiz erhielt die Garantie ihrer Neutralität; Baden, Württemberg und Bayern blieben bestehen; Krakau wurde ein Freistaat, Polen ein Teil Rußlands. Darüber hinaus erfolgte eine Kodifizierung des Gesandtschaftsrechts (Wr. Reglement) und der Freiheit der internat. Flußschiffahrt sowie die Ächtung des Sklavenhandels. Ö. hatte durch den W. K. noch einmal seine Stellung in Europa demonstriert und seine Vormachtstellung in Deutschland und Italien gewahrt; der weitere Verlauf des 19. Jh. war durch ein Konkurrenzverhältnis zu Preußen bestimmt, dem Ö. kontinuierl. weichen mußte. Der W. K. war von vielen gesellschaftl. Veranstaltungen begleitet und verursachte Ö. große Kosten; von C. J. Fürst von Ligne wurde der Ausspruch "Der Kongreß tanzt, aber er geht nicht weiter" ("Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas") geprägt.

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Quellen

Literatur: E. Bücken, Die Musik des Rokoko und der Klassik, 1927; H. Engel, Das Instrumentalkonzert, 1971; K. Haller, Partituranordnung und musikal. Satz, 1970; R. Klober, Hb. des Instrumentalkonzerts, 1972; R. Barrett-Ayres, J. Haydn and the string quartett, 1974; W. Konold, Das Streichquartett, 1980; C. Rosen, Der klassische Stil, 1983; U. Hoell, Studien zum Sonatensatz in den Klaviersonaten J. Haydns, 1984; K. Dahlhaus, L. v. Beethoven und seine Zeit, 1987; K. Dahlhaus (Hg.), 18. Jh. (= Neues Hb. zur Musikwiss., Bd. 5), 1989; P. G. Downs, Classical Music, The Era of Haydn, Mozart and Beethoven, 1992.

Literatur: W. K., Ausst.-Kat., Wien 1965; P. Burg, Der W. K., 1984; K. Müller (Hg.), Quellen zur Geschichte des W. K., 1986 Literatur: Wr. Kongreß, Ausst.-Kat., Wien 1965; Napoleon in Ö., Ausst.-Kat., Pottenbrunn 1973; M. Glover, The Napoleonic wars. An illustrated history 1792-1815, 1975; D. D. Howard (Hg.), Napoleonic military history. A bibliographie, 1986.Literatur: K. O. Frh. v. Aretin, Vom Dt. Reich zum D. B., 1980; L. Benfeldt, Der D. B. als nationales Band, 1985; H. Rumpler (Hg.), D. B. und dt. Frage 1815-66, 1990; A. Kaernbach, Bismarcks Konzepte zur Reform des D. B., 1991. Literatur: H. v. Srbik, M., der Staatsmann und der Mensch, 3 Bde., 1925-54, 31954-60; F. Herre, M., Staatsmann des Friedens, 1983; Die Ära M., Ausst.-Kat., Wien 1984; J. v. d. Heide, K. M., 1988; G. Kugler, Staatskanzler M. und seine Gäste, 1991; ÖBL; NÖB; NDB. Literatur: J. Marx, Die wirt. Ursachen der Revolution von 1848 in Ö., 1965; W. Häusler, Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung, 1979; P. Csendes (Hg.), Ö. 1790-1848, Das Tagebuch einer Epoche, 1987; Bürgersinn und Aufbegehren, Ausst.-Kat., Wien 1987/88. Literatur: A. Becher, Album der Märzereignisse in Wien, 1848; W. Häusler, Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung, 1979; G. Pfeisinger, Die Revolution von 1848 in Graz, 1986.Literatur: A. Novotny, 1848, 1948; R. Kißling, Die R. im Kaisertum Ö., 1948; M. T. Wanderer, Revolutionsstürme Achtundvierzig, 1948; W. Pollak, 1848 - Revolution auf halbem Weg, 1974; W. Häusler, Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung, 1979; P. Urbanitsch, 1848/49: Ende und Anfang, in: H. Kudlich und die Bauernbefreiung in NÖ., 1983Literatur: Ausst.-Kat. Der steir. Bauer, 1966; Ausst.-Kat. Hans Kudlich und die Bauernbefreiung in NÖ., 1983.

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